Jagd nach dem Lärchengold
Lange haben wir alle auf die goldenen Lärchen warten müssen in diesem Jahr. Mir kam es jedoch so vor, als ob die Farbsättigung des Goldgelbs umso intensiver ausgefallen ist. Auch sonst kam mir der Herbst irgendwie bunter und leuchtender vor als in den Vorjahren. Wenn ich zuhause durch die Wälder spaziert bin mit meiner Freundin, musste ich immer wieder stehen bleiben und staunen. Auch wenn es also nur in einer kurzen Zeitspanne herbstlich war, so habe ich diese Tage dennoch sehr genossen.
In diesem Jahr wollte ich endlich im Wallis einen besonders schön gelegenen und fotogenen Bergsee besuchen. Da der Weg von der Ostschweiz aber sehr lange dauert, sollte es gut geplant sein. Ich wollte auf jeden Fall vermeiden, dass ich am Bergsee nur grüne Lärchen sehe aber auch nicht zu spät vor Ort sein, so dass die Nadeln sch0n braun am Boden liegen.
Gar nicht mal so einfach, denn das Zeitfenster, in dem der Bergsee eisfei ist und die Lärchen goldig sind, ist gar nicht mal so gross wie man meinen würde. In diesem Jahr waren es vielleicht 2-3 Wochen. Und da es keine Webcam um die Ecke hat, welche mir genau zeigen kann, wie es um den See aussieht, ist es immer auch ein wenig Lotto spielen wie es herauskommt.
Im Wallis angekommen haben wir am Parkplatz zwei weitere Fotografen angetroffen, welche sich später in der Nacht ebenfalls auf den Weg zum See machten. Der Weg an sich war mit einer tollen Wanderung verbunden. Ab und an kam man sich vor, als ob man in einem Flussbett läuft anstelle des Wanderweges, so viel Schmelzwasser kam vom Berg herunter. Am See oben war die Landschaft schön mit Schnee angepudert, herrlich! Goldgelbe Lärchen und frischer Schnee als Kontrast. Zwei Abende verbrachten wir an diesem schönen Ort und hatten eine wunderbare Stimmung zusammen. Auch die tollen Gespräche mit den anderen Fotografen haben den Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Am zweiten Tag begann der See dann schon langsam zu gefrieren. Ich erfreute mich an den ersten Eisstrukturen als Fotomotiv nach diesem heissen Sommer und genoss den Neuschnee in vollen Zügen.
Nach unseren schönen Tagen im Wallis führte die Reise weiter ins Engadin. Auf der Fahrt mussten wir immer wieder anhalten und ein paar Bilder knipsen. Wenn man monatelang “nur” grüne Vegetation gewohnt ist, dann kann das Betrachten der mit goldenen Lärchen bewachsenen Berghänge schon ein wenig Euphorie auslösen. Das Schöne am Herbst ist, man hat keine Eile, denn die Lärchen kommen auch wunderschön im Tageslicht zur Geltung. Manchmal sogar noch schöner wie am Abend, denn das Sonnenlicht lässt diese Bäume regelrecht brennen, wenn der Einfallswinkel stimmt, und der Hintergrund im Schatten liegt. Irgendwie wie Kerzen in der Landschaft.
An den folgenden Tagen hatten wir viele gute fotografische Momente mit tollen Wolken- und Lichtverhältnissen. Für den einen Morgen haben mein Kollege Daniel und ich uns dann auch noch mit zwei anderen Fotografen getroffen. Alles in allem ein perfekter aber sehr kurzer Herbst. Zwei Tage nach unserem Ausflug kamen dann auch schon die ersten Schneemassen, welche danach hartnäckig viele Wochen auf der Landschaft liegen blieben und der klassischen Herbstfotografie für diese Saison ein Ende setzten. Nun kann er kommen, der Winter, meine liebeste Jahreszeit!